27.09.2012

Jugendgerichtsbarkeit: Vorbild Italien

2003 wurde der Wiener Jugendgerichtshof von der ÖVP-FPÖ-Regierungskoalition geschlossen. Der Wiener Jugendgerichtsbarkeit wurde damit eine Wunde geschlagen, die bis heute nicht verheilt ist. Längst wäre es an der Zeit, die Jugendgerichtsbarkeit nicht nur in Wien, sondern in Österreich auf neue Beine zu stellen.

Wie moderne Jugendgerichtsbarkeit aussehen kann, zeigt die italienische Justiz. Etwa das Jugendgericht von Catania (Tribunale per i Minorenni di Catania) in Sizilien: zehn BerufsrichterInnen arbeiten hier, unterstützt von 36 ehrenamtlichen RichterInnen (giudici onorari), die aus verschiedenen Berufen stammen und befristet als RichterInnen arbeiten: KinderpsychiaterInnen, PsychologInnen, PsychoanalytikerInnen, Politikwissen- schaftlerInnen. Das Gericht ist nicht nur für Strafverfahren gegen Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren zuständig, sondern auch...

Jugendgericht von Catania

Samia Yusuf Omar: der stille Tod im Mittelmeer

Der Tod der jungen somalischen Olympiasportlerin Samia Yusuf Omar hat auf das Schicksal der vielen Flüchtlinge aufmerksam gemacht, die versuchen, von der afrikanischen Küste aus nach Italien zu gelangen. Samia Yusuf Omar kam Anfang April dieses Jahres bei einem Schiffbruch nahe Malta ums Leben. Sie versuchte, nach Europa zu gelangen, um an den Olympischen Spielen in London teilnehmen zu können. Teresa Krug hat Samia Yusuf Omar einen berührenden Nachruf geschrieben, der in deutscher Übersetzung in Ausgabe Nr. 36/2012 der ZEIT erschienen ist.



Der Umgang der Europäischen Union mit den Flüchtlingen schwankt zwischen Ratlosigkeit und Kälte und trägt am Tod von tausenden Flüchtlingen jedes Jahr Mitschuld. Italienische Richter berichten über befremdliche Methoden der überforderten Behörden Maltas: afrikanische Flüchtinge würden vor Malta mit neuen Booten und Benzin versorgt und Richtung Italien weitergeschickt. Boote der italienischen Küstenwache kreuzen weit vor der Küste und retten dort, wenn man den Berichten sizilianischer Beamter glauben darf, vielen erschöpften Flüchtlingen das Leben.

Die Flüchtlinge, die überleben und es bis Italien schaffen, landen zumeist auf der Sizlien vorgelagerten kleinen Insel Lampedusa oder direkt an der Südküste Siziliens, so nicht selten in der Region des Küstenorts Pozzallo. Die italienischen Behörden hier sind um einen respektvollen Umgang mit den Flüchtlingen bemüht. Minderjährige Flüchtlinge, die ohne ihre Eltern ankommen, erhalten vom nahegelegenen Gericht in Modica umgehend einen Vertreter beigestellt, zumeist einen Rechtsanwalt oder eine Rechtsanwältin. So ist eine fachlich kompetente Vertretung im Verfahren um Asyl oder um die Aufenthaltsgenehmigung gewährleistet. Untergebracht werden die Jugendlichen nach Möglichkeit in Wohngemeinschaften gemeinsam mit italienischen Jugendlichen.

Strand von Pozzallo




08.09.2012

Finanzkrise killt Sprachkurse: Petition für das Italienische Kulturinstitut in Wien

Verschiedene aktuelle Meldungen: die USA sind deutlich schlimmer verschuldet als Europa; der Schuldenlevel der USA ist mit jenem Griechenlands vergleichbar. In Österreich meldet die Hypo Alpe Adria einen neuen Finanzbedarf von 2,2 Milliarden Euro an. Italien, das entgegen der landläufigen Meinung Nettozahler in der EU ist, kürzt auf Grund des Spardrucks seine Kulturausgaben massiv. Die Kürzungen erreichen nun auch Wien: das Italienische Kulturinstitut, einer der zauberhaften Orte der Stadt mit exzellentem Veranstaltungs- und Kursprogramm, musste alle Sprachkurse einstellen.

Wie diese Meldungen zusammenhängen? Sie zeigen, dass die vermeintliche Finanz- und Schuldenkrise auf irrationale Annahmen und Handlungen zurückgeht, dass Spekulanten und Banken längst die Politik bestimmen. Dass mit so genannten Bankenhilfen Spekulation und Wirtschaftskriminalität prolongiert werden; also mit Geld, das gleichzeitig für Bildung, Justiz, Sozialleistungen und Kinderbetreuung fehlt. Dass die herbeigeredete Krise zum Kulturabbau genutzt wird. Dagegen gilt es im Großen und im Kleinen anzukämpfen; im Kleinen etwa mit einer Petition, die die Wiedereinsetzung der Sprachkurse am Italienischen Kulturinstitut in Wien fordert.

Unterschreiben unter:
http://www.gopetition.com/petitions/wien-braucht-sein-italienisches-kulturinstitut.html


Italienisches Kulturinstitut im Palais Sternberg
© IIC Vienna

05.09.2012

Mehr Darbo, bitte!

In den 1970er-Jahren mussten, wie erst nun zutage kam, Tiroler Heimkinder offenbar ohne Lohn in diversen Unternehmen arbeiten, unter anderem im Werk der Fa. Darbo. Nun hätte es sich das Unternehmen leicht machen und sagen können: wir haben die Löhne damals an die Heimbetreiber bezahlt und werden sie nun nicht ein zweites Mal überweisen. Doch die jungen Geschäftsführer des Familienbetriebs Darbo reagierten überraschend. Sie besuchten eines der ehemailigen Heimkinder und sagten umgehend zu, allen Betroffenen die Löhne nachzuzahlen, dies angepasst an das heutige Lohnniveau.
Ein Beispiel der Verantwortungsübernahme, das Schule machen sollte.

Foto: Stefan Veigl / Salzburger Nachrichten

02.09.2012

Richter Heinz Düx kommt nach Wien

1963 begann in Deutschland der erste Prozess zu den Verbrechen, die im Vernichtungslager Auschwitz begangen worden waren. Zum Zustandekommen dieses Prozesses hat der Untersuchungsrichter Heinz Düx wesentlich beigetragen, indem er im Ermittlungsverfahren durch genaue Vernehmungen die Struktur des Konzentrationslagers und den verbrecherischen Charakter der NS-Herrschaft offen gelegt hatte. In späteren Jahren setzte sich Heinz Düx als vorsitzender Richter eines Zivilgerichts für die Wiedergutmachungs- und Entschädigungs­ansprüche von Verfolgten des NS-Regimes ein.
In der mehrheitlich in den Nationalsozialismus verstrickten Richterschaft war und blieb Heinz Düx freilich ein Außenseiter. Der Dokumentarfilmer Wilhelm Rösing hat in seinem neuesten Werk die außergewöhnliche Richterpersönlichkeit Heinz Düx in ihren Facetten dargestellt.



Zur Präsentation des Films kommen Wilhelm Rösing und Heinz Düx zu zwei Veranstaltungen nach Wien.