26.11.2012

Korruption und Sühne - Text für DIE ZEIT Nr 48/2012

 
Vor dem Prozess gegen Ex-Minister Ernst Strasser zeigt die Justiz frischen Elan bei Delikten im Umfeld der Politik. Der Richter Oliver Scheiber verlangt allerdings viel mehr Transparenz bei den Ermittlungen.
Einer der ehemals mächtigsten Minister der Regierung von Wolfgang Schüssel steht ab nächster Woche in Wien vor Gericht. Dem ehemaligen Innenminister und späteren Europaabgeordneten Ernst Strasser wird Bestechlichkeit vorgeworfen, nachdem er im März des vergangenen Jahres zwei britischen Undercoverreportern in die Falle gegangen war: Laut Anklage soll er vor einer versteckten Kamera seine Bereitschaft erklärt haben, gegen Honorar im Sinne mysteriöser Auftraggeber Gesetze zu beeinflussen. Der Prozess ist der vorläufige Höhepunkt im Kampf der Justiz gegen Korruption, der anscheinend Fahrt gewonnen hat. Demnächst schon wird sich auch der politiknahe Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly im Zusammenhang mit Tätigkeiten im globalen Waffengeschäft vor Gericht verantworten müssen.

Zwei Monate nach den noch nicht rechtskräftigen Urteilen gegen den ehemaligen Kärntner ÖVP-Obmann Josef Martinz und den Steuerberater Dietrich Birnbacher, denen ein Millionenhonorar für ein fragwürdiges Gutachten zum Verhängnis wurde, glauben nun einige Medien, bei der Verfolgung von Delikten, in die Politiker verwickelt sind, sei eine Trendwende eingetreten. Selbst wenn der Leiter der Korruptionsstaatsanwaltschaft Walter Geyer angesichts der Fülle an Fällen einschränkt, dass »auch das, was wir jetzt sehen, nur die Spitze des Eisbergs« sei.

20.11.2012

Heinz Düx und Wilhelm Rösing am Bezirksgericht Meidling

Am 23.10.2012 fand am Bezirksgericht Meidling die österreichische Erstaufführung des Dokumentarfilms "Der Einzelkämpfer - Richter Heinz Düx" von Wilhelm Rösing statt. Rund 70 BesucherInnen, unter Ihnen Volksanwältin Terezija Stoisits und der Präsident des Verwaltungsgerichtshofs, Clemens Jabloner, waren zur Veranstaltung gekommen. Im Anschluss an den Film diskutierten Heinz Düx und Wilhelm Rösing  unter der Moderation von Christa Zöchling (profil) mit dem Publikum.

Am nächsten Morgen sahen rund 250 Wiener SchülerInnen den Film an der Volkshochschule Meidling. Heinz Düx und Wilhelm Rösing standen wieder für alle Fragen zur Verfügung. Ina Zwerger (ORF) moderierte. Der ORF berichtete in der Fernsehsendung Wien heute.

Dank gilt Christine Kainz für die fotografische Begleitung:

Eröffnung: Terezija Stoisits

Oliver Scheiber, Nicolette Wallmann




Terezija Stoisits, Heinz Düx, Wilhelm Rösing
  
Oliver Scheiber, Heinz Düx, Christa Zöchling,
Wilhelm Rösing, Nicolette Wallmann





17.11.2012

Im Dezember am Max Reinhardt Seminar: Josua Rösing inszeniert Die Brüder Karamasow

Josua Rösing hat letztes Jahr mit großem Erfolg Kafkas Verwandlung dramatisiert und am Bezirksgericht Meidling inszeniert. Im Dezember zeigt das Max Reinhardt Seminar Die Brüder Karamasow in der Regie von Josua Rösing:

Die Brüder Karamasow
nach Fjodor Michailowitsch Dostojewskij


Premiere 15. Dezember, 19.30 Uhr
weitere Vorstellungen 17. bis 19. Dezember, jew. 19.30 Uhr
Benefizvorstellung 20. Dezember 2012, 19:30 Uhr


Neue Studiobühne im Max Reinhardt Seminar

Regie                     Josua Rösing

Bühne                   Mira König

Kostüme               Mirjam Staengl

Dramaturgie         Friederike Römer

Es spielen:
Katharina Breier, Katharina Haudum, Valerie Pachner, Bastian Parpan, Sebastian Schmeck, Martin Schwanda, Lukas Wurm

Der Vater Karamasow hat sich um seine Söhne nie geschert, sie sind bei
unterschiedlichen Pflegeeltern aufgewachsen. Jetzt kehren sie zum Vater
zurück, der mit der Mitgift seiner verstorbenen Frau Unsummen gescheffelt
hat. Der Ältere, Dmitrij, ist pleite und fordert seinen Erbteil. Er und der
Vater buhlen zudem beide um die zauberhafte Gruschenka. Dabei ist Dmitrij
bereits mit Katja verlobt, in die sich Iwan, der zweite Sohn, verliebt. Im
Haus des Vaters lebt noch der Lakai Smerdjakow, dessen Mutter, eine
Stadtstreicherin, bei der Geburt gestorben ist. Und eine Nachbarin und
Weltbürgerin fragt sich: Wer kann von sich sagen, dass er glücklich ist?
Irgendwann wird der Vater ermordet.

Wie soll man leben?

Im Anschluss an die Vorstellung am 20. Dezember wird eine Podiumsdiskussion
mit dem Regisseur und den Schauspielern stattfinden.


Reservierung für die Vorstellungen am 17., 18. und 19. Dezember unter :
mrs@mdw.ac.at, siehe auch: maxreinhardtseminar.at
Verkauf & Reservierung für die Benefizvorstellung am 20. Dezember unter:
Karamasow.Wien@yahoo.de, oder : +43 650 29 30 183 (täglich 9 bis 11 Uhr)
(See attached file: Einladung.pdf)



08.11.2012

Manfred Maiwald, Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht - Rezension für das Journal für Strafrecht, Nr. 4/2012





Im zusammenwachsenden europäischen Rechtsraum gewinnen die Rechtsvergleichung und die Beschäftigung mit fremden Rechtssystemen zunehmend an Bedeutung. Manfred Maiwald ist emeritierter ordentlicher Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsvergleichung in Göttingen und hat bereits früher zum italienischen Recht publiziert. Nun bietet er eine Einführung in das italienische Strafrecht und Strafprozessrecht, die für die wissenschaftliche Befassung und die Strafrechtspraxis gleichermaßen geeignet ist. Teil 1 der Monografie behandelt das materielle Strafrecht, mit Schwerpunkt auf dem allgemeinen Teil des Strafgesetzbuches. Nach einem kurzen Abriss der Geschichte des italienischen Strafrechts werden die Grundprinzipien des italienischen Strafgesetzbuches, des Codice Rocco, sowie die Lehren zu Tatbeständen, Handlung, Erfolg, Kausalität, Zurechnung, Vorsatz, Fahrlässigkeit, Rechtfertigungsgründen und Versuch übersichtlich dargestellt. Dabei werden die verschiedenen wissenschaftlichen Theorien und Ansätze beschrieben, dies in einer sprachlich einfachen, stets leicht lesbaren Form – ein besonderer Vorzug der Publikation.


02.11.2012

Der neue Süden: Vendola und Crocetta

Lange hatte die Mafia Sizilien fest im Griff, lange gehörten Homosexualität und Kommunismus zu den großen Tabus im Süden Italiens. Die Wahl des 61-jährigen Rosario Crocetta zum neuen Regionalpräsidenten Siziliens diese Woche stellt all das auf den Kopf. Der 61-jährige ist einer der pronounciertesten Anti-Mafia-Kämpfer Italiens. Ein Attentat auf ihn durch einen litauischen Auftragskiller wurde in letzter Minute vereitelt. Crocetta gehörte früher den Kommunisten an, nun kandidierte er für den Partito Democratico. Der bisherige Abgeordnete zum Europäischen Parlament lebt offen schwul, agierte bereits als Bürgermeister der sizilianischen Mafiahochburg Gela aktionistisch und kompromisslos. Diese Linie scheint er als Regionalpräsident weiterzuverfolgen: Lucia Borsellino, Tochter des von der Mafia ermordeten Richters Paolo, soll in seinem Auftrag das teure Gesundheitssystem Siziliens von der Unterwanderung durch die Mafia befreien. 
 
Mit der Wahl Crocettas folgt Sizilien dem Beispiel Apuliens. Dort regiert bereits seit einigen Jahren der charismatische linke Denker Nichi Vendola, dessen Einfluss auf Republiksebene laufend zunimmt (kein Politiker in Österreich hat eine solche website!). Die Wahl Crocettas ist nicht nur ein Zeichen des Zornes der Bürger, sie ist auch Ausdruck der Kraft Süditaliens. Alte Strukturen brechen zusammen, die Mafia hat ihre frühere Akzeptanz in weiten Kreisen endgültig verloren. Den Anhängern des alten Sizilien bleibt ein einziger Trost: der Katholik Crocetta gilt als Marienverehrer.

Rosario Crocetta, Foto: © La Presse